Meine Kurzgeschichte aus Sachsen

Neulich habe ich ja lauthals zum Kurzgeschichtenwettbewerb gerufen. Das ist nicht nur aufrufe sondern selber auch gern schreibe will ich hier mal eben kurz beweisen ;). Das ist eine Geschichte von unserem damaligen Angebot aus Sachsen, die ich selber geschrieben hatte. War übrigens auch meine erste. Mein Deutschlehrer plegte immer zu sagen, ich hätte eine blumige Aussprache.

Wasser und Wein

Es war Dienstagabend. Eigentlich kein Besonderer. Eher einer dieser Abende an denen man sich vornimmt jenes anzugehen, was einen diese innere Ruhe verschafft. Viele Menschen lieben die Gewohnheit. Sie lieben das aneinanderreihen von Abläufen und Tätigkeiten. Sie lieben es immer am gleichen Ort und immer zur gleichen Zeit genau das zu bekommen, was sie entspannt und in tiefen Zügen zufrieden stellend durchatmen lässt.

So verwunderte es nicht das man es ihm ansah, ja es sogar vernehmen konnte. Leise pfiff er vor sich hin. Er ging langsamen Schrittes und vermied sogar die Abkürzung, die er sonst immer zu nehmen pflegte. Er schlenderte die breite Straße entlang und zog freundlich seinen Hut, als zwei lustige Gesellen an ihm vorüber wankten. Einer gestützt durch den anderen, aber dennoch waren beide eines zuvorkommenden Grußes imstande. Er kannte diesen Weg. Selbst wenn die Stadt in düstere Nebelschwaden gehüllt ihren wahren Glanz zu verstecken versuchte. Das konnte ihn nicht blenden. Zu oft ist er hier schon unterwegs gewesen. Immerhin hatte er hier studiert, gleich da vorn drei Straßen weiter. Leicht in Gedanken versunken machte er sich an, den Ärmel seines robusten, nussbraunen Gewandes beiseite zu zupfen als er von einem schallenden Gong jäh unterbrochen wurde.

Er hielt inne und lauschte den Glockenschlägen bis das letzte Echo vom Winde getragen verhallte. Sollte er sich verzählt haben? Oder hatte die Uhr wahrhaftig schon neun geschlagen. Er genoss sie zwar, die leichte Brise die den Frühling verlauten ließ, aber so viel wollte er auch nicht versäumen. Das Ziel in Sicht nahm er die letzten Schritte ohne zu zögern und stoppte erst, als er sie erblickte. Die Treppe hinab in den Keller. In Auerbachs Keller.

Normalerweise war sie geschlossen. Eine massive hölzerne Pforte so groß und robust, dass man Mühe hatte ihr das knarrende Geräusch, welches sie beim Öffnen erzeugte zu entlocken. Doch nicht heute. Er konnte sich nur einen Abend in Erinnerung rufen, an dem dies der Fall gewesen war. Wie sollte er das auch zu vergessen im Stande sein. Undenkbar. Menschen soweit das Auge reichte. Es war ein Gedränge in den Gewölben, dass man hätte das Leipziger Stadtfest oder die Heirat eines Adligen vermuten können. Dennoch war es ein Abend wie dieser. Doch die verdammte Kellerluft. Gegen diese musste man ein Glas Burgunder oder eine Gose im Humpen nehmen. Heimischer Schmorbraten vom Wild aus der Heide zu Welschkraut, ein Süppchen vom Lauch und zur Erreichung des Hochgenusses eine Leipziger Lerche so dann.

Tief atmete er den Duft ein, der ihm auf dem Wege die steilen Stufen hinunter entgegen drängte. Gebratenes musste es sein. Da war er sich sicher, denn gegessen hatte er hier immer gut. Voll war es in Auerbachs Keller immer, aber nicht so wie erwartet. Doch das störte ihn keineswegs und so hielt er inne um zu schauen als ein kleiner quirliger Mann mit freudestrahlendem Gesicht auf ihn zu hastete. „Herr von Goethe, Herr Goethe“, rief er mit krächzender Stimme. „Welch eine Ehre.“ In tiefer Verbeugung nahm er die Hand von Goethe zum Gruße. „Sagt guter Freund, welchen Tische habt ihr mir anzubieten?“ Goethes Blick wanderte die Runde und noch eh Jonathan, der Diener etwas erwidern konnte, erblickte er ein gemütliches Plätzchen am Fuße eines halbrunden Gemäldes.

Er schritt entschlossen und ließ sich auch nicht stören, als eine Handvoll betrunkener Jugendlicher am Nachbartische sich scheinbar über seinen zügigen Gang belustigten. „Jonathan mich dürstet. Bringt mir ein Glas Wein und ein Glas Wasser“, sprach Goethe mit kräftiger Stimme. Jonathan, der inzwischen herangeeilt war machte sich an den Wunsch zu erfüllen und verschwand.

„Sagt Herr, warum trinkt ihr Wein gemischt mit Wasser?“ fragte einer der jungen Burschen sichtbar erheitert und mit schwerer Zunge. Goethe zögerte und erwiderte in langsamen Worten.

„Wasser allein macht stumm
Das beweisen im Teiche die Fische
Wein allein macht dumm
Das beweisen die Herren am Tische
Und da ich keines von beiden will sein
Trinke ich Wasser gemischt mit Wein“

6 Reaktionen zu “Meine Kurzgeschichte aus Sachsen”

  1. jary

    na, fürne erste geschichte doch gar nich so übel…

  2. Marko

    Na dann kann ich ja den Sekt aufmachen :)

  3. Der Michel

    Vielleicht etwas für dich:

    “Essbare Landschaften” ist “Unternehmer des Jahres” in Mecklenburg-Vorpommern. Das Unternehmen aus Boltenhagen, Landkreis Vorpommern, züchtet seltene Wildkräuter wie Franzosenkraut, Geißfuß und Vogelmiere und beliefert rund 500 Restaurants in Deutschland, darunter auch Sterne-Köche, aber auch Privatpersonen und die VW-Kantine. Mehr als 80 Kräuter, Salate, aber auch Gewürze hat das junge Unternehmen zu bieten. Flexibel erfüllt es die Wünsche seiner Kunden. Zur Preisverleihung kamen die beiden Geschäftsführer des Unternehmens, Olaf Schnelle und Rolf Hiemer, gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Vorpommern, Jürgen Hahn.

  4. Der Michel

    Ah, ich sehe schon, ist bereits mit in der Kiste: Essbare Landschaften - Bärlauchpesto aus Mecklenburg-Vorpommern

  5. Marko

    Danke für den Tipp. Die sind in der Tat schon dabei. Bin schon gespannt und werds auch bald mal probieren.

  6. Папильон

    Verry good! Hello from Russia!

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